Software & Schnittstellen

Mein Vater kam mit seiner handgeführten Buchhaltung besser zurecht als mit dem PC samt Software, den ich ihm hinstellte. Seitdem weiß ich: Ein Werkzeug muss zur Aufgabe und zu den Menschen passen, die damit arbeiten — warum, steht in „Mein Weg“.

Deshalb beginne ich bei Software nicht mit einem Produktnamen, sondern mit der Frage, wo die Daten liegen und wer sie kontrolliert. Für Kanzleien ist das keine Geschmacksfrage: Mandantendaten dürfen Dritte nur sehen, soweit § 203 Abs. 3 StGB und § 62a StBerG es erlauben. Diese Erlaubnis ist rechtlich sauber — und trotzdem:

Ein Armutszeugnis mit Goldkante.

Wer auf sie angewiesen ist, weil die Technik keine andere Wahl lässt, hat das Problem nicht gelöst, sondern legalisiert. Zulässig ist nicht dasselbe wie im Interesse des Mandanten.

Der Konflikt dahinter ist kein Geheimnis, nur spricht ihn kaum jemand aus: KI, Effizienz und Qualität auf der einen Seite, Verschwiegenheit auf der anderen — die Interessen laufen diametral auseinander. Deshalb wird die Erlaubnisnorm oft gebraucht, vielleicht irgendwann auch von uns. Zum Armutszeugnis wird sie erst, wenn man sich auf sie verlässt, statt selbst zu prüfen oder prüfen zu lassen, ob beim Dienstleister sauber gearbeitet wird.

Gemeint sind also nicht die Dienstleister an sich — auch wer DATEV nutzt, nutzt die Erlaubnisnorm. Der Unterschied ist tatsächlicher Art: eigene Rechenzentren, eigene Software und regelmäßig geprüfte Produkte und Systeme — DATEV lässt sich prüfen. Der Normalfall sieht anders aus: Microsoft-Produkte sind gesetzt, und aus der Gewohnheit entsteht der Modus, dass sich kaum jemand um den eigenen Tenant kümmert — Kanzleidaten auf Servern, die über die halbe Welt verteilt sind. Die Alternative gibt es längst: eigene Systeme und offene Modelle auf eigener Hardware, in einer abgeschotteten Umgebung, die die Erlaubnisnorm gar nicht braucht. So arbeitet die Kanzlei, wo immer es geht.

Das alles wird jedes Jahr unübersichtlicher, und wer nur Steuerberater ist, kann es nicht mehr durchblicken. Deshalb bin ich nicht nur Steuerberater.